Eine etwas andere Reise nach Kambodscha.

Ende März war es wieder einmal soweit, ein Flug ins Heimatland meiner Ehefrau, Kambodscha. Ein faszinierendes Land, dass ich seit Anfang der Neunziger regelmäßig bereise.

Bestand damals noch eine Reisewarnung durch das Auswärtige Amt aufgrund anhaltender Kämpfe zwischen den Roten Khmer und Regierungstruppen sowie allgemeiner Gesetzlosigkeit, bei der scheinbar jede Auseinandersetzung mit Waffengewalt gelöst wurde, so handelt es sich heute um ein Touristenziel, dass mit Kultur, Natur und weißen Stränden in Verbindung gebracht wird.

Nach Jahren der einfachen Einreise mit dem Visum by Arrival, benötigt man seit ein paar Monaten ein eVisa, welches sehr einfach zu beantragen sein soll.

Ein paar Tage vor Abflug scannte ich meinen Pass, doch die Bezahlung per Kreditkarte war nicht möglich. Nach Anrufen bei meiner Bank und Nutzung verschiedener Karten stand fest, es gab ein Website-Problem bei den Kambodschanischen Behörden.

Für die Beantragung eines Visums bei der Botschaft in Berlin war es zu spät, ohne Visa keine Einreise und damit keinen Urlaub!

Was nun?

Ein Anruf bei der Fluggesellschaft ergab, dass ich für 288 Euro den Flug ab Dubai nach Vietnam umbuchen könne, wo ich ohne Visum einreisen kann.

Vier Tage später landete ich nach Ho Chi Minh-Stadt (Saigon).

Nach einem Wochenende in dieser pulsieren Metropole, ging es dann weiter per Bus nach Phnom Penh/Kambodscha, wobei auf dem Landweg das Visum einfach an der Grenze ausgestellt wurde.

In der Hauptstadt Kambodschas mietete ich eine alte über 20 Jahre alte Honda XR 250, alte Technik, keine Elektronik, genau was man ein diesen Ländern braucht.

Ein paar Reserveschläuche, Bowdenzüge und eine Zündkerze als Notfallset, mussten ausreichen.

Da die IPA hier völlig unbekannt ist und der Ausweis ohne Lichtbild nicht als solcher erkannt wird, hatte ich dazu noch ein paar Ärmelabzeichen und Mützensterne im Gepäck. Da war der alte blaue IPA-Ausweis mit Bild schon sehr vorteilhaft.

Von Phnom Penh fuhr ich nach Kampot, einer ehemaligen französischen Kolonialstadt, die ihren Charme nicht eingebüßt hat. Hier traf ich mich mit einem amerikanischen Bekannten, der dort regelmäßig den Winter verbringt. Das Motorrad wurde übergeben und ich übernahm die 400 cc Honda eines leider früh verstorbenen weiteren Bekannten.

Unsere Reiseplanung hatte sich auf weniger als 10 Nachrichten per Messenger beschränkt, also wurde am Abend beim Bier die ungefähre Strecke festgelegt.

Am nächsten Morgen sollte das Abenteuer beginnen. Die ersten 50 km waren die reinste Katastrophe. Die Fahrbahn der einzigen Verbindung entlang der Küste Rtg. Westen besteht nur aus Schlaglöchern und Staub; LKWs, Busse, vollbeladenen PickUps und Sichtweite teilweise unter 30 m.

Danach endlich ins Gelände; aufgrund sehr eingeschränkter Handyverbindung wurde die Strecke nach Kompass, Sonnenstand und Gefühl bewältigt.

Völlig verdreckt erreichten wir abends die nächste Stadt, wobei wir später feststellten, dass die einzige Unterkunft auch die örtliche Karaokebar war, sodass wir bis in die frühen Morgenstunden mit sehr gewöhnungsbedürftiger Musik beschallt wurden.

Am Tag darauf ging es in das Cardamongebirge, Dschungelpiste vom feinsten, Spuren von wilden Elefanten, vereinzelte Schlangen auf der Strecke, so wie wir es uns vorgestellt hatten. Die einzigen Personen, auf die wir trafen, waren ein paar mit AK 47 bewaffnete Mopedfahrer und zwei bemitleidenswerte Einheimische, die sich mit ihren LKWs im unwegsamen Gelänge völlig festgefahren hatten.

Übernachtet wurde in einem Dorf, in dem es erstaunlicherweise recht passable Zimmer und ein Restaurant mit englischsprachigem Besitzer gab.

Tagelang ging es so weiter, staubige Pisten, recht anspruchsvolle Bergpassagen, sich zu verfahren gehört irgendwann zur Routine und bei Minenfeldern bleibt man besser auf dem Weg.

Das Gefühl, als wir wieder in flaches, überschaubares Gelände kamen, war dann eine Mischung aus Erleichterung aber auch Wehmut, denn die richtige Herausforderung war eigentlich zu Ende.

Noch zwei Tage durch scheinbar unendliche Reisfelder und am Ufer des Tonle Sap Flusses entlang, dann erreichten wir das Endziel Phnom Penh.

1200 km meist Off Road, lediglich zwei Stürze meines Bekannten, keine nennenswerten Verletzungen, keine Pannen, keine „Verkehrskontrollen“, es war die perfekte Tour.

Die Planung für die nächste Motorradtour ist natürlich schon abgeschlossen.

Markus Weiß